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Amtsknechthaus
Wohnhaus des Gerichtsschreibers
Gefangenenunterkunft (17. Jhdt.)
WC-Anlage (seit 1982)
Das Amtsknechthaus, also Wohnhaus des Gerichtsschreibers, war eines der Gebäude, die der Hauptburg Leuchtenberg vorgelagert und durch eine Umfassungsmauer geschützt waren. Zu diesen zählten neben dem Amtsknechthaus auch das Rentamt und der Getreidekasten. Noch heute führt der Weg vom Markt Leuchtenberg durch ein großes Spitzbogentor auf das Burggelände. Von den ehemals zweiten und dritten Toren, die man zusätzlich passieren musste, ist heute kaum mehr etwas erhalten; das zweite befand sich auf Höhe des Kellers, während das dritte – zuletzt beim Mauereingang zum Turnierplatz befindlich – vollständig verschwunden ist.
Die Grundmauern und die Größe des ehemaligen Amtsknechthauses sind bis heute deutlich erkennbar. Ursprünglich war das Gebäude Teil der landwirtschaftlich genutzten Anlagen der Burg, wurde später jedoch in eine Wohnung für die Amtsknechte, also die amtsführenden Beamten oder Gerichtshelfer der damaligen Landrichter von Leuchtenberg, umgebaut. Der Status als Beamtenunterkunft blieb dem Amtsknechthaus bis zum Ausbruch des Schwedenkrieges erhalten.
Im Jahr 1621, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde der Markt Leuchtenberg in Brand gesetzt, und die Gebäude der Vorburg – darunter auch das Amtsknechthaus – wurden geplündert und weitgehend zerstört. Nach dem Unheil erfolgte der Wiederaufbau: Das neue Schloss wurde errichtet und die Wohnungen der Landrichter und Pfleger wurden aus Sicherheitsgründen in die Innenburg verlegt, die vom Krieg unversehrt geblieben war. In dieser Zeit wurde das Amtsknechthaus als Gefangenenunterkunft genutzt. Zur zusätzlichen Sicherung errichtete man ein weiteres Tor zwischen dem Gerichtsdienerhaus und dem neuen Schloss.
Um das Jahr 1862 befand sich das Amtsknechthaus im Besitz des Krämers Agler. Die letzte Besitzerfamilie, Lengfelder/Lindner, wurde 1898 während der großen Burgrenovierung vom Freistaat Bayern abgelöst. Wie damals üblich, durfte sie das Haus selbst abtragen, was auch auf historischen Fotografien dokumentiert ist. Seit 1982 befindet sich an der Stelle des ehemaligen Gebäudes eine WC-Anlage.