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Vorraum Palas
Auch Dreiecksraum genannt
Der sogenannte Vorraum des Palas, auch Dreiecksraum genannt, ist ein späterer Anbau aus dem 15. Jahrhundert. Seine ungewöhnlich dreieckige Form ergibt sich aus den örtlichen Bodengegebenheiten. Der Anbau war ursprünglich vier Geschosse hoch, wovon die ehemaligen Mauerabsätze noch immer zeugen. Heute betritt man das mit Schutt verfüllte Kellergeschoss durch die ausgebrochene, ehemalige Tür. Seit etwa 1780 befindet sich der Bau im Verfall.
Im hinteren Teil des vierstöckigen Anbaus befanden sich einst die Zimmer der Dienerschaft, während im vorderen Bereich vermutlich eine Wendeltreppe mit Zugang zum Palas eingebaut war. Einer alten Überlieferung zufolge wurde in diesem Raum ein Burgfräulein lebendig eingemauert. Der Sage zufolge lebte auf der Burg Leuchtenberg vor vielen Jahrhunderten die Tochter eines Landgrafen. Ihre Mutter war früh verstorben, und der Vater wachte sorgsam über das Mädchen. Eines Tages jedoch zog er in den Krieg. Zum Abschied sprach er: „Bleib du mir brav in den sicheren Mauern der Burg. Du sollst alles haben, es wird dir an nichts fehlen. Doch solange ich nicht heimgekehrt bin, darfst du diese Mauern nicht verlassen.“ Der Sommer verging, der Herbst brachte fallende Blätter, der Winter kam eisig und kalt – doch der Vater kehrte nicht zurück. Als schließlich der Frühling kam, ein Tag so sonnig und warm, vergaß das Burgfräulein das väterliche Verbot. Sie verließ heimlich die Burg, wanderte über blühende Wiesen, überquerte das Bächlein im Tal und stieg den Berg hinauf. Dort, unter einer mächtigen Linde, saß ein Schäfer, dessen Herde friedlich am Hang weidete. Sie setzte sich zu ihm, nichtsahnend, dass ihr Vater auf seinem Rückweg genau in diesem Moment auf hohem Ross erschien. Als er seine Tochter beim Schäfer sah, glaubte er an Verrat und ließ sofort Gericht halten. Der unschuldige Schäfer wurde zum Tode verurteilt und an Ort und Stelle an der Linde erhängt. Das Burgfräulein aber musste zurück in die Burg und wurde dort lebendig eingemauert. Nur ein schmaler Spalt blieb offen, durch den sie noch auf den Baum blicken konnte. Mit letzter Kraft sprach sie einen Fluch: „Du sollst immer so kalt bleiben wie meines Vaters Herz.“ Seit jener Zeit, so erzählt man, weht an der Linde stets ein kalter Wind, und ihre Blätter bewegen sich unaufhörlich, als wolle der Baum die grausame Sage ewig weitersagen. Daher trägt er bis heute den Namen „Kalter Baum“.